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19.09.2016, 15:35 Uhr
Unternehmer mit Herz
Jens Spahn (CDU) besuchte jetzt die Frank Alfert GmbH & Co. KG in Ahaus. Eingeladen hatte ihn Geschäftsführer Frank Alfert, um mit ihm über Fachkräftemangel im Fleischergewerbe, Lebensmittelpreise und soziale Verantwortung zu sprechen.
Bei einem Rundgang durch die Produktionsanlage erläuterte Alfert dem Ottensteiner den Herstellungsprozess verschiedenster Fleisch- und Wurstsorten. "Es ist schön und wichtig, auch einmal zu sehen, wie unsere Nahrung eigentlich auf den Teller kommt", zeigte sich Spahn interessiert.
 
Im anschließenden Gespräch ging es dann vor allem um den Fachkräftemangel, der unter anderem den Metzgerberuf besonders betrifft. So verdeutlichte Alfert, dass er vor 20 Jahren bei Betriebsgründung noch einen Fachkräfteanteil von gut 98% gehabt habe. Diese seien heute leider immer schwerer zu finden, was auch mit einer veränderten Schulkultur zu tun habe: "Hier im Münsterland haben wir ein starkes Handwerk, leider kommen immer weniger junge Menschen nach", bedauerte Alfert. Spahn pflichtete bei: "Es gibt zehn bis zwölf Berufe, die massiv leiden. Für diese sollte man bewusst werben." Alfert selbst sucht inzwischen auch über Facebook nach potenziellen Auszubildenden. "Das läuft deutlich besser als die klassischen Wege", so der Fleischproduzent.
 
Das niedrige Preisniveau für Lebensmittel bedauerte Alfert, auch wenn er sich nicht beklagen will: "Durch eine gute Durchmischung der Kundschaft lässt sich das ganz gut ausgleichen. Aber dass beispielsweise in Rumänien Lebensmittel trotz des niedrigen Lohnniveaus teurer sind als in Deutschland sollte uns schon zu denken geben." Spahn stimmte auch hier zu: "Gerade beim Fleisch merkt man einen enormen Unterschied von Discounter zum klassischen Metzger", stellte aber auch klar, dass "am Ende der Markt das regeln und der Verbraucher selbst ein Bewusstsein entwickeln müsse."
 
Besonders beeindruckt zeigte sich Spahn von der sozialen Orientierung des Unternehmers. So hat dieser die Öffnungszeiten seines Shops bewusst nicht an die der größeren Ketten angepasst. "Gerade Familien brauchen auch mal Zeit für ihre Lieben", so Alfert. Auch stelle er es seinen Mitarbeitern frei, nach Renteneintritt so lange und so viel sie wollen weiterbeschäftigt zu werden. "Meine Mitarbeiter sind hochverdiente Leute, denen ich viel zu verdanken habe. Sie hängen oft am Unternehmen, den ehemaligen Kollegen und Kunden und zuhause fällt ihnen nur die Decke auf den Kopf", begründet Alfert sein Vorgehen. Dabei sei es egal, ob jemand Vollzeit oder nur für zwei Stunden weiter komme. "Das ist toll. Auch der Bund gestaltet das freiwillige längere Arbeiten gerade attraktiver. Die Menschen wollen oft noch eine Aufgabe haben und die Unternehmen profitieren von der langjährigen Erfahrung", freute sich Spahn.
 
Außerdem stellt Alfert der Tafel Gescher Waren als Spende zur Verfügung. "Bei uns ist nicht klassisch das Mindesthaltbarkeitsdatum abgelaufen, Fleisch ist entweder gut oder verdorben. Wir geben aber dennoch gerne etwas ab. Als Unternehmer hat man auch eine soziale Verantwortung. Man kann sicher nicht überall etwas gut tun, aber wenn jeder an der einen oder anderen Stelle etwas anpackt wäre schon viel gewonnen", nennt Alfert seine Beweggründe. "Vor ihrem Engagement kann man nur den Hut ziehen", freute Spahn sich zum Abschluss des Besuches.